Zum Ende des Jahres 2025 möchte ich meine Gedanken zum gesellschaftlichen Bewusstsein erneut in Erinnerung rufen. Die Einführung eines siebentägigen Visums und das Bestehen auf griechischen Inselnamen sind in diesem Jahr als ein Beispiel für Prinzipienlosigkeit in das kollektive Gedächtnis eingegangen.
Das Konzept einer prinzipientreuen Haltung — wie sie Nationen einnehmen, die ihre Verbindung zur eigenen Vergangenheit nicht abbrechen — ist etwas, das wir als Gesellschaft leider nur unzureichend beherrschen. Gleichzeitig ist offensichtlich, dass sogenannte „prinzipientreue“ Nationen, insbesondere Griechenland, die türkischen Ortsnamen aus der osmanischen Zeit auf den heute zu ihrem Staatsgebiet gehörenden Territorien systematisch beseitigt haben. Während wir diese Namen dort aufgegeben haben, wissen wir sehr wohl, dass sie keine türkischen Ortsnamen — weder an Land noch zur See — auf türkischem Staatsgebiet tolerieren.
Wenn Istanbul als „Konstantinopel“ und die Dardanellen als „Dardanelles“ bezeichnet werden, erleben wir bedauerlicherweise einen Wettlauf darum, die von meinen Vorfahren „İstanköy“ genannte Insel als „Kos“ und „Kilimli“ als „Kalimnos“ zu bezeichnen. Solange Griechenland auf griechischen Bezeichnungen auf türkischer Geografie beharrt, sind wir gezwungen, ebenso prinzipientreu zu handeln. Das bedeutet, einen Nachbarn mit territorialen Ambitionen dazu zu bringen, davon Abstand zu nehmen.
Doch Menschen, die den Sinn und die Bedeutung dieser Fragen verloren haben, lassen sich davon nicht überzeugen. Ein Visumsangebot, das aus griechischer Sicht politisch sinnvoll und im Sinne ihres gesellschaftlichen Bewusstseins sogar lobenswert sein mag, für uns jedoch ungeeignet ist, wurde von zahlreichen Politikern und Medien als „Visa-Geste für die Türkei“ dargestellt. Wenn überhaupt von einer Geste gesprochen werden kann, dann hat sie allein das türkische Volk erbracht, indem es bereit war, seine Ausgaben mit dem griechischen statt mit dem eigenen Tourismussektor zu teilen.
Darüber hinaus ist es unerlässlich, dass Beherbergungs- und Führungsdienste im Tourismus von ausgebildeten, respektvollen und kulturell gebildeten Personen oder Institutionen erbracht werden, die den Traditionen, Werten und dem gesellschaftlichen Gefüge des Landes verpflichtet sind — ganz im Sinne der Ahi-Tradition. Ebenso müssen Preise, Unterkunftsangebote und Kontrollmechanismen im Tourismussektor verbessert werden.
Statistiken zeigen, dass türkische Touristen, die jährlich durchschnittlich vier bis fünf Tage in Griechenland verbringen, dort rund 250 Millionen Euro ausgeben. Aus griechischer Sicht ergeben sich daraus zwei klare Vorteile: erstens die Maximierung der Touristenzahl aus der Türkei und der Devisenzuflüsse, zweitens die Nutzung dieser Ströme als kulturelles Propagandainstrument.
Personen, die die Schönheiten ihres eigenen Landes nicht wahrnehmen, es ständig kritisieren, ihre Auslandsreisen in sozialen Medien glorifizieren und gleichzeitig ihr eigenes Land herabsetzen, liefern Griechenland die ideale Gelegenheit, die eigene Kultur zu vermitteln und Anhänger zu gewinnen. Der Zustand ist bedauerlich.
Während des Ukrainekrieges nahm Griechenland eine feindselige Haltung gegenüber Russland ein, was das russische Volk nicht vergessen hat. Im Jahr 2022 sank die Zahl russischer Touristen in Griechenland abrupt auf etwa 35–40 000. Der Grund ist klar: Die russische Bevölkerung ist sich bewusst, dass jeder durch den Tourismus nach Griechenland fließende Euro letztlich zu Munition gegen russische Soldaten wird. Reiselustige Russen haben Griechenland daher für lange Zeit von ihrer Liste gestrichen.
In Fragen der nationalen Sensibilität im Tourismus sind die Russen ein Beispiel. Der Anstieg türkischer Touristen in Griechenland und der regelmäßige Transfer von Hunderten Millionen Euro bedeuten, dass — laut touristischen Daten — etwa 3 % der griechischen Verteidigungsausgaben indirekt von türkischen Touristen getragen werden.
Anders ausgedrückt: Das jährliche „Geschenk“ türkischer Touristen an Griechenland entspricht dem Preis von mindestens drei F-16-Kampfjets. Diese ernsthafte gesellschaftliche Schwäche muss eingedämmt werden. Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Psychologie und Soziologie erscheint dies jedoch nahezu unmöglich. Das fortgesetzte Konsumverhalten bei Marken wie Starbucks trotz Boykottaufrufen sowie Aussagen wie „Das ist nicht mein Problem“ deuten auf ein kollektives Erschöpfungssyndrom hin.
Diese Gleichgültigkeit in eine prinzipientreue Haltung zu verwandeln, ist äußerst schwierig. Hier kommt der Opposition eine große Verantwortung zu.
Unser Bildungssystem muss nicht überarbeitet, sondern vollständig neu aufgebaut werden. Dorfinstitute, Volkshäuser und ähnliche Einrichtungen sollten wiederbelebt und das Bildungssystem auf der Grundlage nationalen Bewusstseins neu gestaltet werden. Andernfalls werden weiterhin Kader hervorgebracht, die eine visumbasierte touristische Täuschung der Öffentlichkeit als „Visa-Freude“ präsentieren.





